Summerer Technologies GmbH & Co. KG Rosenheim. Werkzeugbau - Formenbau

Kunststoffscheibe revolutioniert Markt

Rimsting/Schechen - High-Tech-Standort Bayern - da denkt man an BMW, an Siemens oder General Electric in München.

Ein kleines Familienunternehmen aus Rimsting könnte jetzt dafür sorgen, dass künftig auch der Raum Rosenheim in einem Atemzug mit der Landeshauptstadt genannt wird. Denn am Fuße der Ratzinger Höhe bahnt sich eine technische Revolution im Automobilbau an. Die Firma Summerer aus Gänsbach hat ein Verfahren entwickelt, mit dem erstmals großflächige Kunststoff-Fenster für Autos hergestellt werden können. «Das könnte in den nächsten Jahren das Aussehen unserer Autos völlig verändern», hofft Andreas Summer, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Summerer schafft jetzt mit seinem neuen Werk, in dem die Scheiben hergestellt werden, in der Gemeinde Schechen 100 neue Arbeitsplätze.

50 Werkzeugbauer arbeiten derzeit bei Summerer an Werkzeugteilen für die Zulieferer von Automobilherstellern. «Wir stellen die Werkzeuge her, mit denen Kunststoffteile wie zum Beispiel Außenspiegel für BMW, VW oder Mercedes spritzgegossen werden», so Andreas Summerer. Doch auf dieses Standbein wollten sich die Rimstinger nicht alleine verlassen. Deshalb suchten die Unternehmensstrategen nach weiteren innovativen Anwendungsfeldern für Kunststoffe im Automobilbereich und wurden fündig. Was die Großkonzerne Bayer und General Electric seit Jahren entwickeln, nimmt nun durch deren Partner Summerer Technologies Form an: die großflächige Kunststoffscheibe für Autos.

«Sie schafft ganz neue Sicherheitsaspekte, weist beispielsweise bei einem Unfall bessere Eigenschaften als eine Glasscheibe auf. Bei einem Crash fliegt kein Mensch mehr aus dem Auto, da die zähen Kunststoffscheiben nicht brechen», sagt Andres Summerer.

Außerdem habe sie Gewichtsvorteile, «und bietet zudem größere Freiheiten beim Design». Er könne sich vorstellen, so Summerer, dass in einigen Jahren alle Scheiben aus Glas durch Kunststoff ersetzt werden. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg, so Franz Summerer, der Entwickler der neuen Werkzeugtechnologie. «Wir kalkulieren sehr vorsichtig. Bis sich im Autobau etwas durchsetzt, kann es Jahre dauern.»

Die Rimstinger gehen die Sache mit großem Optimismus an. Während in ganz Deutschland wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise Arbeitsplätze zu tausenden abgebaut werden, schafft Summerer neue. 100 Mitarbeiter sollen die Technologie im neuen Werk, das in der Gemeinde Schechen geplant ist, umsetzen. Die neu gegründete Firma Summerer Technologies wird an diesem Standort den Schwerpunkt auf die Entwicklung und Herstellung von Werkzeugen für große Kunststoffscheiben legen.

Kunststoffscheibe aus Summerer InMoldPressing Spritzpräge Werkzeug

Grund für den Optimismus ist ausreichend vorhanden: «Wir kooperieren in diesem neuen Markt mit Exatec, einem Joint Venture zwischen Bayer und General Electric.» Der gemeinsame Auftritt auf der weltgrößten Kunststoff-Messe in Chicago mit dieser Scheibe hat große Resonanz gefunden», kommentierte Fritz Stein, früher selbst tätig bei Exatec und jetzt Geschäftsführer der Summerer International, einer eigens zur globalen Vermarktung der Werkzeugtechnologien gegründeten Firma.

Im Mittelpunkt der neuen Technik steht die Beschichtung der Scheibe. Summerer: «Bisher ist es keinem gelungen, das Vergilben der Kunststoffteile zu verhindern.» Auch sei das bisher verwendete Material oft spröde gewesen und schnell verwittert. Deshalb gebe es derzeit auf dem Markt nur sehr kleine Scheiben aus Plastik oder solche, die keine tragenden Elemente sind.

Dass Idee und Verwirklichung der Weltneuheit keiner opulenten Forschungsabteilung mit unzähligen Wissenschaftlern entsprungen sind, sondern in einem kleinen Familienunternehmen geboren wurden, ist für Andreas Summerer kein Wunder: «Bei uns stimmt einfach alles. Wir haben ein prima Betriebsklima, alles liegt in Familienhand, es gibt nur wenige Entscheidungsebenen.»

Schechen haben sich die Rimstinger für ihr neues Werk ausgesucht, «weil wir ein bisschen näher an Rosenheim heran wollten, unser Einzugsgebiet dadurch vergrößert wird und dort aus dem Bereich viele unserer qualifiziertesten Mitarbeiter herkommen. Außerdem wurden wir von der Gemeinde mit offenen Armen aufgenommen.» Das einzige Negative am Standort Schechen: «Es gibt keine Innbrücke zwischen Rosenheim und Griesstätt. Deshalb müssen wir von Rimsting aus Umwege in Kauf nehmen», so Summerer.


Quelle: Oberbayerisches Volksblatt   Kunststoffscheibe revolutioniert Markt   22.11.2003